Thesenpapier der „Initiative kulturelle Integration“
Öffentlicher Dienst: Multiplikator für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt

FigurenFoto: Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de

Der öffentliche Dienst ist Multiplikator für Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Das betonte der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik Hans-Ulrich Benra anlässlich der Präsentation des Papiers „15 Thesen für Zusammenhalt in Vielfalt“ am 16. Mai 2017 in Berlin.

Verfasser des Thesenpapiers ist die „Initiative kulturelle Integration“, die ihre Thesen im Anschluss an die Präsentation an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht. Mitglieder der Initiative sind neben dem dbb beamtenbund und tarifunion der Deutsche Kulturrat, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Bundesministerium des Innern, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie weitere Mitglieder aus Zivilgesellschaft, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Medien, Sozialpartnern, kommunalen Spitzenverbänden und Kultusministerkonferenz.

„Zur kulturellen Integration gehört in einer pluralen Gesellschaft, dass alle gesellschaftlichen Bereiche adäquat politisch repräsentiert sind und damit auch Entwicklungen in einem Land wiederspiegeln“, sagte dbb Vize Benra und forderte: „Die gesellschaftliche Veränderung sollte auch in der Beschäftigtenstruktur des öffentlichen Dienstes abgebildet werden. Denn der öffentliche Dienst hat eine wichtige Funktion als Multiplikator für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – die Bürger vertrauen darauf, dass durch den Rechtsstaat Rahmenbedingungen für Verlässlichkeit von politischen und Verwaltungsentscheidungen geschaffen werden“, so Benra, der die Initiative als „einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Diskussion um Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ bezeichnete. Um den Beschäftigungsanteil von Personen mit Migrationshintergrund im Staatsdienst zu erhöhen, müssten mehrere Faktoren berücksichtigt werden, erläuterte Benra: „Die potenziellen Bewerber müssen sich für eine Karriere im öffentlichen Dienst interessieren, das geschieht vor allem über Gespräche im persönlichen Umfeld, mit Eltern, Verwandten, Bekannten – also müssen wir auch bei diesen Zielgruppen ansetzen. Der öffentliche Dienst gehört in Migrantenfamilien bisher leider viel zu selten zu den möglichen Berufsfeldern.“ Auch müssten Hemmnisse bei der Einstellung von Beschäftigten mit ausländischen Wurzeln abgebaut und die interkulturelle Kompetenz in Verwaltungen und Behörden insgesamt gestärkt werden, forderte der dbb Vize: „Diskriminierungsfreie Auswahlverfahren und interkulturelle Kenntnisse als feste Bestandteile von Aus- und Fortbildung sollten Standard sein“, so Benra.

Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration wollen angesichts aktueller Debatten mit ihren 15 Thesen einen Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und kultureller Integration leisten. In der Präambel des Thesenpapiers „Zusammenhalt in Vielfalt“ bekräftigen sie, dass Integration alle Menschen in Deutschland betrifft, und rufen Einzelpersonen ebenso wie Organisationen, Vereine oder auch Unternehmen zur Mitunterzeichnung der Thesen auf. Die Initiative steht für eine weltoffene Gesellschaft. „Zuwanderung verändert eine Gesellschaft und erfordert Offenheit, Respekt und Toleranz auf allen Seiten. Dies ist ein langwieriger Prozess, in dem um Positionen gerungen werden muss. Das Schüren von Ängsten und Feindseligkeiten ist nicht der richtige Weg“, heißt es in dem Papier. Zugleich wird deutlich gemacht, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt weder verordnet werden kann, noch allein eine Aufgabe der Politik ist. Vielmehr können alle hier lebenden Menschen dazu beitragen. „Deutschland ist ein vielfältiges Land. Seit Jahrhunderten leben hier Menschen aus vielen unterschiedlichen Ländern. Mit Solidarität haben Gesellschaft und Politik auf die Ankunft vieler Geflüchteter reagiert. Solidarität gehört zu den Grundprinzipien unseres Zusammenlebens. Sie zeigt sich im Verständnis untereinander und in der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse anderer. Die Mitglieder der Initiative kulturelle Integration treten für eine solidarische Gesellschaft ein.“ Die Mitglieder der Initiative setzen insbesondere auf die Vermittlungskraft der Kultur: „Kultur trägt neben der sozialen Integration und der Integration in Arbeit wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“ Besonderes Augenmerk wird auch auf Europa gelegt: Gewollt ist ein einiges Europa. „Der europäische Einigungsprozess ist nicht nur ein Garant für Frieden in Europa und eine wichtige Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung, er steht zugleich für kulturelle Annäherung sowie für gemeinsame europäische Werte.“

Quelle: dbb.de